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„Baustelle Kirche“ im Jahre 1994

Das Vierteljahrhundert zwischen der Hundertjahrfeier und heute beleuchten wir mit monatlichen Artikeln, die Sie alle auf unserer Homepage finden. Ein wichtiges Thema waren immer wieder die Baustellen unterschiedlichster Art. Neben laufenden Reparaturen, um die sich der Bauausschuss mit viel Engagement kümmert, gab es auch große Aktionen wie den Küchenumbau 2011 und die Fassadenrenovierung 2017/18, meist über Spenden finanziert und von Ehrenamtlichen durchgeführt, denen man gar nicht genug danken kann und auf die wir weiterhin angewiesen sind. Über die Umbaumaßnahmen im Foyer und Großen Saal im Rahmen der Hundertjahrfeier berichtet an dieser Stelle Martin Spreng:

„Baustelle Kirche“ im Jahre 1994

Im Hinblick auf das 100-jährige Bestehen der deutschen Christuskirche 1994 beauftragte mich der Kirchenvorstand mit der Leitung der Renovierungsarbeiten für den Empfangs-bereich der Kirche sowie den Gemeindesaal.

Das Pfarrehepaar Herr und Frau von der Recke sowie der Kirchenvorstand Herr Atsma unterstützten mich wohlwollend mit großem Vertrauen, diplomatisch im Team, nach jewei¬liger Rücksprache bei so manchen ästhetischen Entscheidungen. Die Verantwortung und den Mut, nötige Veränderungen des gewohnten Erscheinungs¬bildes durchzusetzen und gleichzeitig das für die Kirche enorme Budget in Grenzen zu halten, vertraute man mir als im exklusiven Innenausbau selbständigem Kunstschreiner an. Bezüglich meines katho¬lischen Glaubens erwiderte mir der Pfarrer bei einem langen vorausgehenden Gespräch, dass dies doch in der evangelischen Kirche keine Rolle spiele, solange wir uns menschlich gut verstünden. Bezüglich der Kostenvoranschläge konnte ich auf mir vertraute und motivierte Werkstätten zurückgreifen - mit Verständnis für so manchen Preisnachlass bei einer Kirche mit begrenzten Mitteln wirtschaftend. Bei der Malerfirma mit dem meisten Personal vor Ort war Hartnäckigkeit notwendig, um das Budget und die Qualität in entsprechender Zeit einzuhalten.

Der Eingang im Erdgeschoss mit seiner schönen charaktervollen Eichenwandverkleidung war in schlechtem Zustand, ebenso der Gemeindesaal, dunkel, traurig und abgelebt.

Licht und Farbe waren erforderlich, um eine freudige und feierliche Empfangsatmosphäre zu erreichen. Im Programm waren des Weiteren das Treppenhaus, Toiletten mit Bädern, sowie die Heizung im Keller. Die Wandverkleidung im Eingang, konnte aufgrund ihres schlechten Zustandes nicht in »Natur« belassen werden, sondern wurde für mehr Helligkeit mit Erhaltung der Holzstruktur gekalkt. Ein festliches Ambiente erreichten wir mit einer stilvollen aufwendigen Beleuchtung. Das wunderschöne Bodenmosaiks im Eingangs¬bereich erlangte seinen ursprünglichen Glanz nach aufwendigem Abschliff und anschließender Versiegelung dank eines extrem motivierten polnischen Mitarbeiters.

Der Gemeindesaal erforderte den größten Renovierungsaufwand. In den 60er Jahren wurde in der Christuskirche im damaligen Zeitgeist vieles an dekorativen Stilelementen, wie Säulen, Pilaster oder Profilleisten entfernt oder verkleidet. So trauten wir z.B. unseren Augen nicht bei der Freilegung der beiden seitlichen wunderschönen Halbrundglasfenster im Gemeindesaal. Auch der ‚Dom zu Worms‘ und ‚die Wartburg‘, im Keller lagernd, wurden nach gründlicher Restaurierung wieder an ihrer ursprünglichen Stelle in die neue Fensterkonstruktion integriert.

Die historische Balustrade an der Empore wurde ebenfalls unversehrt freigelegt. Kräftig rot gestrichen wirkte sie als frisches Stilelement über die volle Saallänge hinweg, im Wechselspiel mit leuchtend roten Stühlen für zukünftige Gemeindeversammlungen.

Die schlecht isolierten Stahlrahmenfenster wurden in guter Handwerksqualität durch Holzfenster mit Doppelverglasung ersetzt. Zur Küche hin konnte die schöne Wandvertäfelung in Naturholz belassen werden und Teilbereiche der Schränke im Eingangsbereich des Saales wurden im gleichen Stil erneuert. Der Boden erhielt pflegeleichten Linoleumbelag und für eine bessere Geräuschisolierung installierten wir eine abgehängte Decke. Edle Hängeleuchten sorgten für eine festlichere Ambiance im Saal.

Die Treppenhausrenovierung verursachte fürchterlichen Staub im ganzen Haus, aber welche Freude bei jedem Aufstieg über mehr Helligkeit mit neu versiegelten Treppen!

Seltsamerweise waren viele Türklinken im gesamten Hause vermischt. Ohne Neuan-schaffung befestigten wir die schönen edlen Griffe wieder an den wichtigen Türen im Austausch mit den anderen. An der Eingangstür der Kirche selbst strahlten einladend auch wieder die bronzenen Fische.

Zur Begutachtung der Arbeiten kam ich anfangs zweimal wöchentlich, auf die Festivitäten zugehend aber immer öfter, um die Firmenkoordination weiterhin gewähren zu können. Von der Bastille aus mit dem Fahrrad in die Rue Blanche war zunächst sportlich, am Ende der Baustelle aber zur Gewohnheit geworden. Und zum Schluss beschloss ich, in der Kirche - mir inzwischen vertraut wie meine eigene Westentasche - an so mancher Stelle die Hand noch selbst anzulegen mithilfe eines jungen motivierten Bauschreiners.

Schließlich wurden im Kirchenschiff selbst solide grüne Teppichläufer installiert. Das Kirchengestühl wurde teilweise konsolidiert, um während des Festaktes weniger zu wackeln und zu knarzen. Abschließend wurde das große Kreuz im Altarraum ernsthaft befestigt, da es nach den Pfarrern während der Predigt oft bedrohlich schwankte.

Weitere Renovierungsarbeiten im Kirchenschiff selbst übertrafen den Rahmen unserer Möglichkeiten und warteten auf spätere Interventionen!

Noch heute empfinde ich diese mir zur Zeit der Baustelle gewachsene Nähe zur Christuskirche, dank des Vertrauens der damaligen Pfarrer und Gemeindemitglieder.

Datum der letzten Änderung
Letzte Änderung 2020-02-28, 00:51:26 (GMT)
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